Ging die Wiedervereinigung zu schnell? (eine ostdeutsche Sichtweise)

Was ist heute übrig von der Deutschen Demokratischen Republik? Und war damals wirklich alles schlecht? Wenn man als junger Mensch, der nicht die DDR persönlich erlebt hat, über diese Fragen nachdenkt, schießen einem zuerst Horrorvorstellungen von einem Leben unter Beobachtung der Stasi, eingesperrt im eigenen Land in den den Kopf. Menschen wurden zu Haftstrafen verurteilt, weil sie nicht den Vorstellungen der Regierung entsprachen und um studieren zu können, musste man erst Mitglied der SED werden, die allgemein das Leben im Osten Deutschlands bestimmte. All dies musste beseitigt werden nach der Wende 1989/90. Aber auch positive Gegebenheiten der DDR wurden radikal umgewälzt und an den Standard Westdeutschlands angepasst.

Konzerne wie das AMIGA-Musiklabel, die DEFA (Deutsche Film AG) oder der DFF (deutscher Fernsehfunk) waren nach der Wiedervereinigung gezwungen, zu schließen. Dies wurde im Einigungsvertrag gefordert. Allerdings verbinden viele Bürger der ehemaligen DDR ihre Erinnerungen an vergangene Zeiten mit den Filmen und Serien, die die DEFA produzierte und die auch international Beachtung fanden.

 

ddr

Quelle: .wikimedia.org/wikipedia/de

ddr1

Quelle: wikimedia.org/wikipedia

 

Man könnte fast behaupten, man habe den Ostdeutschen ein Stück ihrer Kultur genommen, wozu nicht zuletzt der Abriss des Palastes der Republik (oder auch von den DDR Bürgern „Erichs Lampenladen“ genannt) beitrug. Schließlich war das Gebäude nicht nur Sitz der Volkskammer, der hauptsächlich SED-Mitglieder angehörten. Es bot auch Platz für Ausstellungen und Konzerte. Außerdem war es Symbol der DDR, von deren Existenz nach der Wende wohl nicht zurück bleiben sollte.

Auch das Bildungssystem wurde beseitigt, obwohl dies eines der Vorzüge der DDR war. Die Schüler gingen von der ersten bis zur zehnten Klasse auf die Polytechnischen Oberschulen (POS). Danach wurde entschieden, ob sie die Erweiterte Oberschule (EOS) besuchen oder eine Ausbildung anstreben sollten.  Den Beweis, dass dieses System es wert gewesen wäre, übernommen zu werden, liefert die Tatsache, dass Finnland seit den 1960er Jahren eben diese Art der Beschulung übernommen hat. Das Land schneidet bei den Pisa-Studien immer gut ab.

Die Verteilung von Kindergarten-und Krippenplätzen war ebenfalls über das Bildungssystem geregelt. Es war sicher, dass jedes Kind einen Platz bekommen würde (der auch noch kostenlos war), sodass die Eltern ohne Probleme ihrer Arbeit nachgehen konnten. Das wäre heute nur wünschenswert, wenn man bedenkt, dass die Wartezeit auf einen Kita-Platz sogar mehrere Jahre betragen kann.

 

ADN-ZB Link sch-02.09.80 Bez. Gera: Im Kindergarten des Dorfes Oppburg werden 60Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren liebevoll betreut. Ihre Eltern arbeiten vorwiegend in der LPG-Pflanze- und Tierproduktion. Für den Aufenthalt eines Kindes bezahlen die Eltern 45 Pfennig pro Tag. (siehe 18N-19N-21N)

Quelle: wikimedia.org/wikipedia

 

Selbstverständlich war die Bildung der Kinder und Jugendlichen der Regierung der DDR so wichtig, weil sie vor allem ideologischen Wert hatte, schließlich gab es auch ein Unterrichtsfach namens Wehrerziehung, aber da die SED nach der Wiedervereinigung sowieso nicht mehr lange weiterexistierte, war dies kein wahrer Grund, das komplette System für hinfällig zu erklären.

Möglicherweise ging die Wiedervereinigung wirklich zu schnell -allerdings ließ die Geaschichte eine langsamere Gangart kaum zu; es hätte die Chance gegeben, seitens der BRD auch in Betracht ziehen müssen, Dinge, die sich in der DDR bewährt hatten, zu erhalten.

 

 


 

 

Quelle:

http://forum.massengeschmack.tv/showthread.php?10611-Ging-die-Wiedervereinigung-zu-schnell-vonstatten

https://de.wikipedia.org/wiki/Bildungssystem_in_der_DDR

http://www.kas.de/wf/de/71.6618/