Zwei Politiker in der Wendezeit

Egon Krenz, DDR-Politiker 

ADN-ZB / DEWAG / 24.10.1989 / Berlin: Egon Krenz, Generalsekretär des ZK der SED, Vorsitzender des Staatsrates der DDR, Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates der DDR. [Herausgabedatum: 22.06.1984]

Quelle: www.dhm.de/lemo

Egon Krenz war Mitglied des Nationalen Verteidigungsrates der DDR, Vorsitzender des Staatsrates und der kurzzeitige Nachfolger Erich Honeckers als Vorsitzender des ZK der SED, doch er übte dieses Amt nur sieben Wochen lang aus. Am 3. Dezember 1989 traten er und das gesamte Politbüro zurück. Dann kam die Wende. In seiner Antrittsrede am 18. Oktober 1989 erwähnte er bereits den Begriff „Wende“: „Mit der heutigen Tagung werden wir eine Wende einleiten, werden wir vor allem die politische und ideologische Offensive wiedererlangen“.  Er verstand darunter einige kleine Korrekturen am System -keineswegs eine Abkehr vom Sozialismus- doch die Bevölkerung erwartete längst mehr. So bürgerte sich der Beriff „Wende“ schnell ein. 1990 erschien sein Buch „Wenn Mauern fallen“, in welchem er vorgibt, selbst der Verantwortliche für die friedliche Revolution zu sein, was natürlich nicht so war. Bis zum Mauerfall dachte niemand in der SED-Führung etwa an geheime, demokratische Wahlen oder die Neuordnung des Staates.

Im Juni 1989 kam es zu einem Studentenaufstand in Peking, der blutig niedergeschlagen wurde. Dazu äußerte sich Krenz wie folgt: es sei „etwas getan worden, um die Ordnung wiederherzustellen“. Trotz alledem würde er für die friedliche Lösung von politischen Konflikten stehen. Kaum zu glauben, wenn man weiß, dass die DDR-Führung stets ein Militäraufgebot in der Hinterhand hatte, um die revolutionären Aufstände im Ernstfall niederzuschlagen. Die Angst vor einer Bekämpfung der Aufstände ähnlich wie in China stieg, als Krenz am 1. Oktober 1989 nach China reiste, um an den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der VR teilzunehmen. Nichtsdestotrotz setzte er sich für eine friedliche Reaktion der Polizei gegenüber den Teilnehmern der Montagsdemos ein.

Zum Mauerfall äußert sich der ehemalige SED-Politiker noch heute kritisch. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls sagte er gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung: „Die Gefahr, dass der Abend in einer Katastrophe hätte enden können, war äußerst groß.“ Außerdem spricht er von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“, die in dieser Zeit gedroht hätten.

1990 sind Krenz und andere Politbüromitglieder aus der SED-PDS ausgeschlossen worden. Er habe „die Chancen einer Erneuerung der DDR verspielt“.

Als Mitglied des Nationalen Verteidigungsrates der DDR  hatte er auch die Herrschaft über die Schützen an der Mauer. Später wurde er wegen seiner kategorischen Schießbefehle (Totschlag) zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt, vier davon saß er tatsächlich ab.

 

 

 

Michail Gorbatschow, Staatspräsident der Sowjetunion 

 

Nach seinem Amtsantritt als Staatschef der Sowjetunion leitete Gorbatschow zahlreiche Reformen ein, die auch unter den Begriffen „Glasnost“ und „Perestroika“ bekannt sind. Mit diesen Reformen erlangte die Bevölkerung einige Freiheiten zurück, wie z.B. die Meinungs-und Pressefreiheit. Die Staatsführung sollte der Bevölkerung gegenüber außerdem offener werden und Regimekritiker sollten aus der Haft entlassen werden. Das komplette gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche System wurde umgebaut. Dazu gehörte auch die Lockerung der Planwirtschaft.

In der DDR betrachtete Honecker diesen Prozess jedoch skeptisch. Der Staat übernahm die Reformen nicht von seinem „großen Bruder“. Das Volk aber trat Gorbatschow wohlwollend entgegen und feierte ihn bei seinem Staatsbesuch zum 40 jährigen Jubiläum der DDR im Jahr 1989 mit einem lautstarken „Gorbi, Gorbi“ Chor für seine lockere Art der Staatsführung. Die Bevölkerung hatte die Hoffnung, mit den Reformprogramm der Wiedervereinigung Deutschlands einen wesentlichen Schritt näher gekommen zu sein, auch wenn die Regierung der DDR dieses ablehnte. Dazu äußerte sich der russische Staatschef bei den eben genannten Feierlichkeiten mit folgenden berühmten Satz: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Einen Monat später wurde die Grenze zwischen Ost-und Westdeutschland geöffnet.

Im Juli 1990 fand ein Treffen Kohls und Gorbatschows im Kaukasus statt, um über die Zukunft des vereinigten Deutschlands zu diskutieren. Das Ergebnis war überraschend, denn Russland sicherte Deutschland komplette Souveränität zu, sowie den Abzug der sowjetischen Truppen aus der ehemaligen DDR. Kohl redete anschließend vom „Höhepunkt in der Geschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen“, schließlich spazierten beide Politiker in Zeiten des Kalten Krieges, leger mit Strickjacken bekleidet durch das Tal.

 

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Quelle: www.srf.ch

 

 

 


 

Quellen:

www.dhm.de/lemo, Wikipedia, mz-web.de

www.zeit.de/zeit-geschichte/2013/04/willy-brandt-neue-ostpolitik

http://www.deuframat.de/europaeisierung/internationale-verflechtungen-frankreich-und-deutschland-im-internationalen-system/paris-und-die-deutsche-einheit/die-bedeutung-michail-gorbatschows-im-einigungsprozess.html

http://www.zeitklicks.de/ddr/zeitklicks/zeit/politik/die-wende/glasnost-und-perestroika/

http://www.welt.de/politik/deutschland/article8483811/Als-Helmut-Kohl-in-Strickjacke-Geschichte-schrieb.html