Interviews zum Problem Ost / West

Wir haben drei verschiedene Einwohner der „neuen“ Bundesländer befragt- aus drei verschiedenen Generationen- um herauszufinden, wie ihre heutige Sicht auf die Wiedervereingung ist. Besonders interessant ist dabei, welche Sicht die junge Generation -also unsere- auf die Wiedervereinigung bzw. die Einheit Deuschlands hat, obwohl sie zur Zeit der deutschen Teilung, des Kalten Krieges und zur Zeit des Mauerfalls noch nicht einmal geboren war.

Wir können sagen, dass es wohl noch einige Generationen dauern wird, bis Deutschland wirklich komplett vereint ist, da Voreingenommenheiten und Differenzen zwischen Ost und West von einer Generation zur nächsten weitergegeben werden.

 

Zum ersten haben wir unserer Fragen einer Frau aus der Generation unserer Großeltern gestellt, die also einen großen Teil ihres Lebens in einem geteilten Deutschland verbracht hat.

 

 

1. „Wie findest du, dass Deutschland wiedervereinigt wurde?“

– Ich finde es gut, aber in der Köpfen der Menschen ist immer noch eine Trennung.

 

2. „Würdest du Deutschland wirklich als vereint bezeichnen?“

– Nein, ich finde Deutschland ist noch nicht vereint, weil Renten und Löhne noch nicht an die alten Bundesländer angepasst sind.

 

3.“Wie groß ist die Differenz zwischen Ost und West?“

– Nicht so groß, wie vor fünf Jahren. Aber duch die Freiheit, zu reisen kommen sich die Menschen schon langsam näher.

 

4.“Glaubst du, die Wiedervereinigung brachte Gewinner und Verlierer? Wenn ja,wer war was?“

– Es gibt Gewinner und Verlierer. Die Reichen sind reicher geworden und die Armen werden immer ärmer, auch weil Schulabschlüsse nach der Wiedervereinigung nicht anerkannt wurden.

 

5.“Würde es für dich eine Rolle spielen, ob du in Ost oder West arbeitest oder lebst?“

– Das würde schon eine Rolle spielen, aber wir im Osten sollten den Mut aufbringen, wieder etwas Neues aufzubauen und der Heimat treu bleiben.

 

6. „Fühlst du dich als `Bürger zweiter Klasse`?“

– Nein, fühle ich mich nicht, schließlich liegt es doch an jedem selbst etwas aus seinem Leben zu machen.

 

 

Und nun vergleichen wir diese Antworten mit denen einer Frau aus der Generation unserer Eltern. Sie ist in der DDR aufgewachsen war aber noch recht jung, als die Mauer fiel.

 

1.“Wie findest du, dass Deutschland wiedervereinigt wurde?“

– Sehr gut. Niemand sollte so unterdrückt leben, wie die Menschen in der DDR es getan haben.

 

2.“Würdest du Deutschland wirklich als vereint bezeichnen?“

–Jein. Wir sind ein Land, aber die Unterschiede sind noch zu groß. Solange sich das nicht ändert, wird es immer eine Mauer in den Köpfen geben.

 

3.“Wie groß ist die Differenz zwischen Ost und West?“

–Wir sind alle Menschen und Deutsche, aber um wirkliche Gleichheit (auch in den Köpfen) zu erlangen, sollten vor allem Lohn und Arbeits- bzw. Lebensbedingungen angepasst werden.

 

4.“Glaubst du, die Wiedervereinigung brachte Gewinner und Verlierer? Wenn ja, wer war was?“

–Ja, auf jeden Fall, auch wenn wir im Sinne von „Vereinigung“ endlich wieder ein Land und ein Volk sind. Ich denke nicht, dass man so klar sagen kann, welche Seite Gewinner oder Verlierer ist. Es kommt auf die Umstände der einzelnen Menschen an und was sie daraus gemacht haben.

Falls ich mir aber eine Seite aussuchen müsste, würde ich den Osten als Niedriglohnsektor bezeichnen, in dem die Bundesregierung sich eine Generation „heranzüchtet“, die von Altersarmut betroffen sein wird.
5.“Würde es für dich eine Rolle spielen, ob du in Ost oder West arbeitest oder lebst?“

–Im Grunde genommen: Nein, solange ich mich da wohlfühle, wo ich eben bin. Meine Familie hält mich aber hier im Osten.

 

6.“Fühlst du dich als `Bürger zweiter Klasse`?“

-Ja, irgendwie schon, solange es keine wirkliche Chancengleichheit gibt und soziale Unterschiede (speziell im Lohnsektor) nicht abgebaut werden.

 

 

 

Zum Schluss haben wir diese Fragen jemandem aus unserer Generation gestellt, also jemandem, der nie etwas vom geteilten Deutschland mitbekommen hat. Die Antworten zeigen, dass die deutsche Teilung Folgen bis in die heutigen Generationen hat und eine Einheit eines ganzen Landes nicht so schnell erreicht werden kann, wie sich es die Politiker in der Wendezeit gewünscht oder gedacht haben.

 

1.“Wie findest du, dass Deutschland wiedervereinigt wurde?“

– Ich finde, das war ein wichtiger Schritt für die Deutschen. Die Teilung hat so viel Leid gebracht, vor allem für Familien. Etwas Positives an der Teilung sehe ich nicht.

 

2.“Würdest du Deutschland wirklich als vereint bezeichnen?“

– Leider merkt auch unsere Generation noch den Unterschied zwischen Ost und West, Vorurteile gibt es überall. Ich finde nicht, dass Deutschland wirklich wiedervereint ist…

 

3.“Wie groß ist die Differenz zwischen Ost und West?“

– Ich habe Bekannte in einem Bundesland im „Westen“. In unserem Alter fallen da als erstes die Unterschiede im Schulsystem oder in den Freizeitmöglichkeiten auf. Ein weiteres Beispiel sind die Berufschancen, die mit Sicherheit im „Westen“ viel besser sind. Zudem kann man im „Westen“ viel mehr verdienen…Diese wenigen Beispiele zeigen, dass die Differenz leider noch sehr groß ist.

 

4.“Glaubst du, die Wiedervereinigung brachte Gewinner und Verlierer? Wenn ja, wer war was?“

– Ich war selbst nicht dabei, aber nach dem, was ich in der Schule und der Familie gehört habe, denke ich auf jeden Fall, dass die Ostdeutschen viele Nachteile hatten und die Westdeutschen als Gewinner hervorgegangen sind, z.B. haben viele Ostdeutsche nach der Wiedervereinigung ihre Jobs verloren und mussten teilweise ein ganz neues Leben aufbauen.

 

5.“Würde es für dich eine Rolle spielen, ob du in Ost oder West arbeitest oder lebst?“

– Auf jeden Fall würde ich darüber nachdenken. Ich würde wohl lieber im Osten bleiben, weil hier meine Heimat ist und ich finde, dass Westdeutsche den Ostdeutschen noch mit vielen Vorurteilen begegnen, auch im Beruf. Ich denke, ich würde mich hier doch wohler fühlen, weil ich weiß, hier och irgendwie willkommener zu sein. Natürlich hat sich in Sachen Toleranz schon viel getan, aber wie schon gesagt, wirklich vereint sind wir dann doch noch nicht.

 

6.“Fühlst du dich als `Bürger zweiter Klasse`?“

– In den Medien wird meist aus dem ehemaligen Westen berichtet, in vielen Fernsehsendungen fallen sogar Witze oder negative Bemerkungen über Ostdeutsche. Dadurch z.B. lässt sich schon manchmal denken, dass wir als Bürger zweiter Klasse gelten; dazu tragen natürlich auch viele Vorurteile bei (z.B. dass wir im Osten weniger intelligent sind bzw. nur Arbeiter und Bauern oder dass wir den Westdeutschen bis heute zum Dank verpflichtet sein müssen). Es gibt auch Ausnahmesituationen, aber oft fühlt man sich schon weniger angesehen oder geachtet. Im täglichen Leben fühle ich mich nicht als „Bürger zweiter Klasse“, doch wenn man Deutschland an sich betrachtet, dann ja.

 

 

Eine Umfrage der ARD zur Gerechtigkeit in Deutschland

Eine Umfrage der ARD zur Gerechtigkeit in Deutschland // Quelle: www.infratest-dimap.de

 

 

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Quelle: fotolia.com

 

 

 

Erstaunlicherweise erhielten wir sogar ähnliche Antworten aus den drei Generationen. Eine gewisse Grundeinstellung, ein ähnliches Lebensgefühl wird uns allen wohl unbewusst und gleichermaßen vermittelt. Auch unsere Befragten sprachen von den Grenzen in den Köpfen, die es wohl noch einige Jahre, vielleicht auch Jahrzehnte, zu überwinden gilt, sodass in Deutschland irgendwann eine vollkommene Gleichheit und gerechtigkeit herrscht.