Äußere und innere Einheit

 

 

 

Äußere und innere Einheit

 

Nur, weil die Mauer gefallen ist, kann man nicht von einem vereinten Deutschland sprechen. Man unterscheidet die äußere und innere Einheit. Die äußere Einheit konnte auf politischer und territorialer Ebene schnell hergestellt werden. Die verschiedenen Verträge und Abkommen führten relativ schnell zur offiziellen Einheit Deutschlands. Als Tag der Wiedervereinigung wurde der 3. Oktober festgelegt, die Fahne der Einheit wurde gehisst und die DDR trat dem Grundgesetz der BRD (mit kleinen Änderungen) bei. Schon auf den ersten Blick lässt sich hierbei erkennen, dass die ehemalige BRD und DDR nicht auf Augenhöhe agierten: Die Fahne der BRD stellte die Fahne der Wiedervereinigung dar und ein neues Grundgesetz oder eine neue Verfassung wurde auch nicht entworfen. Die DDR trat fast allen Gesetzmäßigkeiten der BRD bei. Vielleicht ging dieser äußere Prozess der Einheit viel zu schnell… Die DDR wurde als Verlierer der Teilung Deutschlands angesehen, schon bald kam das Gefühl ehemaliger DDR-Bürger auf, Bürger „zweiter Klasse“ zu sein. Wäre es doch besser gewesen, noch eine Zeit lang zwei deutsche Staaten nebeneinander existieren zu lassen, die sich nach und nach angleichen und wieder aneinander gewöhnen können? Immerhin entwickelten sich beide Staaten über 40 Jahre lang in verschiedene Richtungen, beide Teile haben sich entfremdet, neue Generationen sind vollkommen verschieden aufgewachsen… Zwei verschiedene Welten prallten auf einmal in einer enormen Geschwindigkeit aufeinander, vielleicht hätte dieser Prozess mehr Zeit gebraucht.

Quelle: querdenker.de

Dieser Gedanke führt uns nun zum Begriff der inneren Einheit: Fühlen sich die Bürger wirklich vereint? Es gilt bis heute, die „Grenzen in den Köpfen“ zu überwinden. Vorurteile zwischen Ost und West sorgen noch immer dafür, dass unter den Bürgern kein echtes Einheitsgefühl aufkommen kann. Das Zusammenwachsen der Deutschen verläuft sehr schleppend. Die Ostdeutschen fühlen sich von den Westdeutschen missverstanden, einige verschönern die alte Zeit und flüchten sich zunehmend in die Ostalgie. Jedoch wollen die meisten von ihnen die heutigen modernen Lebensverhältnisse nicht missen. Die Bürger hatten sich damals nichts sehnlicher gewünscht als die Wiedervereinigung. Trotz allem konnten sie sich auch jetzt nicht frei fühlen: viele Sorgen, wie Arbeitslosigkeit, Existenzängste und die Ungewissheit, über das, was noch kommen mag (hervorgerufen durch die gesetzlose Zeit in den ersten Jahren nach dem Mauerfall), ließen die Freude und Hoffnung schnell wieder verfliegen.

Die Westdeutschen hingegen werten die Ostdeutschen oft ab, sie fühlen sich bestätigt, da ihr Gesellschaftssystem gewonnen hat; manche von ihnen denken sogar, dass die Ostdeutschen ihnen zum Dank verpflichtet sind. Viele von ihnen geben an, die Zustände vor 1989 besser gefunden zu haben.

 

Seitdem ist es das Ziel der Politik, die Differenzen zwischen Ost und West zu beseitigen. Es gibt z.B. spezielle Förderungen für wirtschaftsschwache Regionen und die neuen Bundesländer, aus denen ein gesamtdeutsches System sowie die Anpassung von Löhnen und Lebensverhältnissen resultieren sollen.

 

Wie groß ist der Unterschied zwischen Ost und West?

Wie groß ist der Unterschied zwischen Ost und West? Quelle: socialmediakniffe.files.wordspress.com

 

Quellen: bpb, Themenbltter im Unterricht Nr. 85: Zusammengewachsen?; Nr. 83: Meilensteine der Deutschen Einheit